Chronik der Jedermänner

Sieghart Hafner, ein junger Sportlehrer an der Graf-von-Bissingen-Schule in Schramberg hat 1973 die Idee Übungsstunden im Jedermannturnen zu geben. Er plant halbjährliche Kurse nur für Männer zu geben. Für die Frauen gibt es diese Gymnastikstunden unter der Leitung von Rose Proß ja schon lange.

Diese Kurse sollen für Mitglieder der Schramberger Turnerschaft kostenlos sein. Nichtmitglieder zahlen einen Unkostenbeitrag, der auf jeden Fall höher ist, als der Mitglieder-Jahresbeitrag der Turnerschaft. Geklärt musste auch noch die Versicherungsfrage mit dem WLSB.

Am 19.01.1973 fand der erste Übungsabend statt. Das Interesse war sehr groß. Viele Männer, darunter auch eine Frau, fanden sich ein. Da es aber eine reine Männerdomäne sein sollte, musste sich die Dame eine andere Sportgruppe suchen.

Auch Geiz war damals schon geil und schwäbisches Wirtschaften für die meisten Interessenten ganz normal. Daher trat die Mehrzahl der neuen Sportskameraden in die Turnerschaft ein. So hatte sich der Sigger das eigentlich nicht gedacht und wollte sein Vorhaben schon wieder aufgeben.

Doch seine Idee, ein Pendant zur erfolgreichen Frauengymnastik zu schaffen, wurde von der Vereinsspitze der Turnerschaft aufgenommen. Ehemaligen aktiven Sportlern soll eine Möglichkeit geboten werden unter fachlicher Anleitung und abseits vom Wettkampfdruck sich weiter sportlich zu betätigen. Gleichzeitig sollten auch sportlich weniger aktive Männer hierdurch einen Weg zum Sport finden.

Die neue Abteilung formierte sich. Am 25. Januar 1974 fand die erste Abteilungs-versammlung statt. Interimspräsident wurde Heinz Broghammer. Für zwei Stunden stand am Freitagabend die Gymnasiumhalle zur Verfügung. Das Interesse für das neue Angebot der Turnerschaft war groß. 39 Männer wollten mitmachen, viele davon sind bis heute dabei geblieben.

Die neue Abteilung war ein voller Erfolg. Die Turnerschaft bekam viele neue aktive Mitglieder und mit ihnen eine tat- und schlagkräftige Truppe, die durch ihre erfolgreichen Einsätze bei Gartenfesten, Sportlerbällen und Entrümpelungsaktionen Zeichen setzte und somit nicht mehr wegzudenken war und ist.

Es macht Spaß, die Gymnastik unter der Anleitung von Sieghart Hafner, am Freitagabend. Doch schon bald gab es etwas Neues. Sieghart ließ sich durch seine junge Frau Renate vertreten, die gemäß ordentlicher Unterrichtserteilung eine schriftliche Unterrichtsvor- und Nachbereitung fertigte. Dies ist der Nachwelt erhalten.

Obwohl die 36 Typen, wie Renate in ihrem Kommentar schreibt, nicht ganz so wollten wie es ihre Unterrichtsplanung vorsah, hat es allen Spaß gemacht. Übrigens ist ihr damals geplantes, aber ausgefallenes Circuit-Training, bis heute das beliebte Ersatzprogramm von Heinz Broghammer, sollte einmal kein Übungsleiter anwesend.

In den Wintermonaten gab es eine Trainingserweiterung. So konnte an einigen Sonntagsvormittagen Volleyball gespielt werden. Bis in die frühen 90er Jahre wurden diese Sonntagstreffs abgehalten. Mangels Teilnehmern wurden sie dann eingestellt.

Das gesellige Beisammensein nach dem Sport am Freitagabend ist für viele ein Muss. Unter den „auserwählten“ Gaststätten wird rotiert und dort steht auch ein Sparschwein, „die Wutz“, die jeden Freitag gefüttert wird. Einmal im Jahr wird die schwerste Wutz geschlachtet und das Gesparte für ein gemeinsames Festmahl in dieser Gaststätte ausgegeben.

Noch in den 70er Jahren wurde die Idee geboren, dieses Wutzenfest mit einer Nikolausfeier zu verbinden. Im „Posthörnle“ einem Lokal in der Marktstraße kam bei „Thüringer Gänsebraten mit Rotkohl und Knödeln“ zum ersten Mal Frau Nikolaus. Nicht immer ganz respektvoll wurden dann Kommentare zu den Taten der einzelnen entgegen genommen.

Im Laufe der Jahre wurde Frau Nikolaus dann von verschiedenen Jedermänner, und auch als Knecht Ruprecht auch das eine oder andere Mal durch eine Frau eines „Jedermanns“ abgelöst.

Deren Auftritte waren dann auch nicht immer ganz so, wie im Allgemeinen der Nikolaus und der Ruprecht auftreten. Weder in ihren Vorträgen noch in der Kleidung. Aber wichtig war für alle Jedermänner immer, ob sie mit ihrer „Jahresleistung“ im goldenen oder schwarzen Buch geführt wurden.

Die Ode an den Nikolaus

Oh Nikolaus, du süße Maus,
pack alle deine Sachen aus,
denn ist der Sack dann gänzlich leer,
Ist er bestimmt auch nicht mehr schwer.

Oh süße Maus, Frau Nikolaus,
gern brächt‘ ich dich heut‘ Nacht nach Haus.
Würd‘ wärmen dich in eis’ger Nacht,
bis die Bescherung ist vollbracht.

Sigi Rupp

Die Auftritte der Jedermänner bei den Sportlerbällen der Schramberger Turnerschaft und der Spielvereinigung hatten Kultstatus und Tradition und waren selbstverständlich. Als Gesangsgruppe „Comedian Harmonists 1979“ als „Starke Clowns 1981“ oder als „Jedermänner Bigband 1983“. Es gäbe noch viel zu erzählen.

Das Singen beim geselligen „Jedermanntrinken“ nach dem Sport wir gerne und in brünstig gepflegt. Aha die Jedermänner sind da, wissen bald viele Gaststättenbesucher am Freitagabend, wenn fröhlicher Gesang ertönt. Das Singen ist zum Erkennungszeichen geworden.

Schon bald kam der Wunsch nach einem Liederbuch mit den Texten der beliebtesten Lieder auf. Ein eigenes Liederbuch wurde geschaffen. Verantwortlich für das Vorhandensein dieser Liedtexte beim fröhlichen Zusammensein an den Freitagabenden nach dem Sport und bei den Wanderungen war der Liederwart. Walter Müller wurde als erster mit dem Amt betraut.

Neue Sportkameraden brachten neue Lieder mit. Ein neues Liederbuch wurde geschaffen. Der Umschlag wurde farbiger, das Buch dicker, aber leider wurde die Schrift für die Texte kleiner. Ohne Brille waren sie für den größten Teil der Jedermänner nicht mehr lesbar. Aber eine Brille hatten am Sportabend nur wenige dabei.

Ein weiteres Highlight sind die vielen ein- und mehrtägige Wanderungen, die die Jedermänner durchgeführt haben. Jährlich gab und gibt es noch eine Frühjahrs- und eine Herbstwanderung. Alternativ wurden mehrtägige Wanderungen in die Silvretta, auf den Säntis, nach Flims, mehrmals in die Pfalz, nach Slowenien, an das Elbsandsteingebirge, in das Gauertal, zur Buronhütte durchgeführt. Es ist schwierig alle aufzuzählen aber von jedem Ausflug lässt sich eine Anekdote erzählen.

Es wurden auch die verschiedenen Jubiläen gefeiert. 20-,25-,30- und 40Jahre Jedermänner wurden in einem festlichen Rahmen gefeiert. Die Jedermänner sind inzwischen selbst zu einer Institution geworden, weit über die Grenzen der Turnerschaft und Sportgemeinschaft hinaus. Unter der Leitung von Heinz Broghammer, Sigurd Mayer, Detlef van den Boom, Edgar Brändle und nun Udo Tannert haben sie einen Bekanntheitsgrad erreicht, der natürlich fest mit den Namen der Männer verbunden ist, die sich im Laufe der vergangenen Jahre in den Reihen der Hobbysportler eingefunden haben.

„ Spaß und Geselligkeit“ ist das Leitmotiv der Jedermänner, die nun seit mehr als 40 Jahren unter der Leitung von Sieghart Hafner aktiv sind. Er wurde zum 40jährigen Jubiläum der Jedermänner vom SG-Vorstand, Joachim Ragg, zum „Oberturndirektor“ ernannt. „ 40 Jahr Jedermänner bedeuten: 40 Jahr und mehr Spaß an der Gymnastik und Sport, geselligem Beisammensein, Singen, Ausflüge, Wanderungen und Freundschaften, die durch den Freitagabend-Sport entstanden sind.“ Trefflicher ließe sich das Wesen der Jedermänner kaum charakterisieren.

Schramberg, den 14.03.2015
Günter Schall + Edgar Brändle

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Letzte Aktualisierung: 16.02.2018 18:11